Malerei, Abstraktion und Geometrie als Versuchsanordnung, zum Werk

 Diagonalen, 2016, Öl auf Leinwand

Malerei und Geometrie als Versuchtsanordnung

Parallel geschichtete Linien- und Flächenformationen sowie die Beschränkung im Gebrauch von Farbe und Form sind Wesensmerkmale der Werke von Christian Eder. Mittels eines reduzierten, geometrischen Formenvokabulars wird die Interaktion von Fläche, Linie, Farbe und Form untersucht. Malerei und Abstraktion gleichsam als Versuchsanordnung und Herausforderung für das Sehen.   

Bildkonstituierend  tritt dieses reduzierte Vokabular immer wieder als seriell komponiertes, sich gegenseitig  überlagerndes und über-schneidendes, abstraktes Liniensystem, dann wieder als gliederndes, oszilierendes  Ordnungsmuster und in Form vielschichtiger komplexer Geometrien auf. Die Wahrnehmung von Farbe, Linie, Grund und Form wird herausgefordert.   

Gerade, horizontale und diagonale Linien verdichten sich zu individuellen, minutiös ausgeführten Bildordnungen, vielfach symmetrisch angelegt. Sie bestimmen den Bildaufbau als wiederkehrende, in Variationen auftretende Elemente.  Die Geometrie mit ihren Vertikalen, Diagonalen, Kreuzungen, Biegungen, Quadraten, Dreiecken und Kreisformationen wird sichtbar und sinnlich erfahr. 

Die Linien bzw. Liniensysteme fungieren einmal als bildstabilisierende, austarierende Elemente in diesen geometrischen Bildordnungen, um ein andermal eben diese durch die Fragilität der Ausführung und das Hinausziehen der Farbe bis an die Ränder der Leinwand bzw. des Bildträgers in Frage zu stellen.

Die Malerei ist als Arbeitsprozess über einen längeren Zeitraum angelegt. Die Werke sind das Ergebnis einen kontrollierten Vorgehens. Jedes einzelne Bild wird dadurch auch zu einer Versuchsanordnung und Reflexion über die Zusammenhänge von Denken und Sehen und den Malprozess an sich. 

Linie, Farbe und Licht

Linie, Fläche und Farbe bzw. Farbwert, das Spiel zwischen Opazität der Oberfläche und wechselweise reflektiertem Licht provozieren eine Aus-einandersetzung zwischen Form und Inhalt. Dabei kommt der Ausführung des Bildhintergrundes  eine besondere Bedeutung zu.

Die spezifische Ausführung mit parallel geführten Farbbahnen und Linien in eine bestimmte Richtung, etwas von links unten nach rechts oben lassen die darüber ausgeführten Farben und Linien aus dem Bildgrund förmlich hervorspringen und in Interaktion zueinander treten. Die einer geometrischen Grundform innewohnende Kräfte werden sichtbar, scheinen in verschiedene Richtungen über die Grenzen der Leinwand hinaus eine Eigendynmik zu entwickeln. Die im Bildgrund angelegten Farbbänder und Streifen als auch die darüber ausgeführten Lineaturen sind stets scharf abgegrenzt und fungieren als eine Art Koordinatensystem innerhalb einer größeren, komplexen Ordnung.

In jüngster Zeit werden diese strikten geometrischen Ordnungen von Mal zu Mal durch eine offenere, dynamischen Ausführung bzw. Linien-führung  abgelöst, die Farbbänder und Flächen mitunter lasierend und weniger streng ausgeführt.  

Die mit feinem Farbauftrag exakt ausgeführten, häufig in mehreren Schichtungen gesetzten Linien und Linienformationen entwickeln dort ihre besondere Intensität, wo sie auf dem abgedunkelten Bildgrund  fast schon reliefartig anmuten oder förmlich im Licht hervorspringen. Eine Hierarchie im Sinne eines "Oben" und "Unten" im Bild wird negiert durch die Gleichmäßigkeit und Ausgewogenheit der gesamten Bildfläche. 

Farbe tritt je nach Lichteinfall als kraftvolles Farbfeld oder als pulsierende Bewegung vor den Betrachter, als ein filigranes sich bewegendes Gewebe, welches sich je nach Lichteinfall jäh zu verändern vermag.

Wir sind es aus unserer Sehtradition  heraus gewohnt, uns dem Bild von der Mitte her zu nähern, die Mitte als ideale Sehposition zu betrachten. Nähern wir uns dem Bild jedoch seitlich, oder mit schrägem Blickwinkel, beginnt das jeweilige Farbfeld bzw. die Farbe unter dem Lichteinfall und der Lichtbrechung zu schwingen, die gleichmäßig gesetzten Pinselstriche beginnen zu pulsieren und versetzen das gesamte Bildgefüge in Bewegung.  

Malerei und Abstraktion als Dialog

Die zumeist als abstrakte, geometrische Bildordnungen angelegten Kompositionen treten hier in dieser Malerei einmal als Grenzen, dann wieder als Verbindungen von Figurationen und Konstellationen in verschiedene Richtung vor das Auge des Betrachters. Sie verbinden sich von Mal zu Mal mit dem Helldunkel des Bildgrundes um dann wieder als trennende Elemente in Erscheinung zu treten.

Ein fragiles Gleichgewicht im einzelnen Werk wird hergestellt, welches dort aus den Fugen gerät, wo sich das Betrachterauge in den fein gegliederten und in großer Dichte zueinander ausgeführten  Farbspuren und Lineaturen verfängt. Die dicht nebeneinander ausgeführten Linien verführen zu genauem Hinsehen.  Sie entziehen sich dann jedoch wieder dem Betrachter als in Bewegung versetzte, interferierende Fläche- Raum- Konstellationen: In einem Wechselspiel von Schärfe und Unschärfe beginnt ein optisches Spiel: die Farbe osziliert. Die Fläche wird zum Raum.  

Die Fläche, der Raum und die Farbe als gegebene Realität oder als lllusion?

Malerei fordert hier als unmittelbare Versuchsanordnung das Sehen und die individuelle Wahrnehmung heraus: Malerei als sinnliches Wechselspiel von Geometrie, Farbe und Lineatur.

Abstraktion im Dialog: Parallele Ordnungen- Malerei zur Zeitenwende, Bruneck (I)>>

Konstruktive Abstraktionen>>

Ausstellungen Christian Eder, CV>>

Artworks, Werkauswahl 2018>>