Christian Eder, Parallele Ordnungen- Malerei zur Zeitenwende

Christian Eder, Parallele Ordnungen- Malerei zur Zeitenwende, Abstraktion im Dialog, Malerei zur Zeitenwende   Ordini paralleli

Parallele Ordnungen, Ordini paralleli

La pittura in un periodo di svolta

Stadtmuseum Bruneck- Brunico (I)  Museo Civico Di Brunico

Via Bruder-Willram-Str. 1, , Bruneck

bis 2.12. 2018

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Parallele Ordnungen

Die Ausstellung stellt gegenwärtige Malerei in einen spannungsvolles Verhältnis zur Tafelmalerei und Skulptur der Spätgotik – ein Zeitensprung.

Wahrnehmung und Erkenntnis finden immer aufgrund des eigenen Erfahrungshintergrundes statt. Auf Basis von reflektierendem Denken und Vorgehen gewonnene Erkenntnisse und daraus entwickelte Thesen bleiben jedoch immer fehlerhaft, da ihre Gültigkeit immer an das Moment ihres Entstehens und ihr Umfeld gebunden bleiben.

Ein solches Denken dürfte dem mittelalterlichen Menschen vermutlich noch nicht geläufig gewesen sein.

Das Symbolhafte des Tafelbildes, die Darstellung als harmonisches Ganzen stand im Vordergrund. Im Hintergrund bestimmte jedoch bereits ein Zusammenspiel von Maß und Form das Bildkonzept. Für Wissenschaft und Kunst der Gegenwart ist die genannte Vorgangsweise dagegen ein wesentlicher Bestandteil des Forschungs- und Arbeitsprozesses. In einem Punkt unterscheiden sich jedoch auch diese beiden Dispziplinen: Kunst darf sich irren.

Die Gegenwartskunst, hier die Malerei schafft sich ihre Fragestellungen und Probleme selbst, sie muss im Gegensatz zur Wissenschaft keinen Systemvorgaben folgen und kann frei zwischen Ordnung und Irritiation, zwischen Komplexität und Klarheit oszilieren.

Jeder neue Tag bietet Gelegenheit zu neuem Irrtum. Malerei ist die Umsetzung eines Gedankens in eine unmittelbare Figuration. Möglicherweise ist sie aber gerade dessen Gegenteil: Die völlige Losgelöstheit von einem planmäßigen Denken und vorgegebenen Ordnungsstrukturen in Zahlen oder linearen Abfolgen. Intuitives Vorgehen bedeutet immer eine Verbindung zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem herzu-stellen, mit der Möglichkeit des Irrtums.

Bereits im Gedächtnis sind Informationen wie Farbe, Form und verschiedene Konstellationen oder Figurationen als loses Gewebe miteinander verknüpft. Daher findet Erinnerung immer auch in Form von verbundenen Assoziationen von Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen statt.

Die Malerei ist hinsichtlich ihrer Entstehung als auch hinsichtlich ihrer Oberflächenbeschaffenheit dem Digitalen diametral entgegen gestellt: Kontemplation und Sinnlichkeit versus einer von Geschwindigkeit geprägten optischen Überflutung mit Banalem. Das Bild ist dagegen unmittelbar in seiner Sinnlichkeit er-lebbar.

Das digitale Bild hingegen ist lediglich Simulation, es täuscht vor und mischt sich mit Erinnertem zu einem Erlebnis, welches als echt erscheint. In Wirklichkeit verweist es jedoch auf keine weiteren, größeren Zu-sammenhänge. Die Konsequenzen für das Sehen und Begreifen sind noch nicht vollständig absehbar. Wieder befinden wir uns am Beginn eines zeitlichen Umbruchs ähnlich jenem der Spätgotik hin zur Renaissance.

Der Betrachter ist dazu eingeladen, unterschiedliche Bildfindungen- und Konzepte einem Prozess des Vergleichens und Unterscheidens zu unterziehen und über die eigene Wahrnehmung zu reflektieren.

 

Spezifisches zu den ausgestellten Werken von Christian Eder

In den aktuellen Arbeiten verbinden sich statische Elemente des Konstruktiven mit jenen einer dynamischen Farbgestaltung zu einem bildnerischen Forschungsprozess über die Beziehung von Farbe, Form und Licht. Sie zielen unmittelbar auf die visuelle Erfahrung des Betrachters.

Bildkonstituierend treten Linienformationen immer wieder als serielle Struktur und spannungsgebender Gegensatz zwischen Rechteck, Quadrat, mitunter binnenhaft angeordneten Kreis- und Ovalformen in das Zentrum des Geschehens. In ihnen kontrastieren nicht nur Farbe und Nicht-Farbe, sondern auch Horizontale und Vertikale der Bildkanten mit den Vorgängen im Bildinneren.

Die immer wieder als Variationen ausgeführten Linienelemente treten einmal als Durchschneidungen, dann wieder als Verbindungen der Bildfläche in verschiedenen Richtungen vor das Betrachterauge, verbinden sich von Mal zu Mal mit dem Helldunkel des Bildgrundes um ein andermal wieder als trennende Elemente in Erscheinung zu treten.

Gerade durch die Einfachheit, Klarheit und Regelmäßigkeit dieser bildimmanente Ordnung tritt diese in ein spannungsvolles Verhältnis zu den je nach Standpunkt des Betrachters und je nach nach Lichteinfall wechselnden Erscheinungen des Helldunkels im Bildhintergrund.

Das Schwarz und Grau ist nun nicht mehr farblos, vielmehr setzt es erst die Wirkung der Farbe in Szene. Suggestionen des Räumlichen entstehen als Konsequenz von Interaktionen zwischen Bildvorder- und Bildhintergrund und verändern sich mit der Veränderung des Betrachterstandpunktes und der Sichtachsen.  Trotz Regel-mäßigkeit und Parallelität in der Ausführung wird hier keine innerbildliche Stabilität im Sinnen eines Oben und Unten -noch die Herstellung einer Hierarchie im Bild angestrebt.

Das am Horizontale und Vertikal gewohnte Betrachterauge erfährt hier von Fall zu Fall durch die Unterbrechung und Diagonalisierung von Linienverläufen eine Desorientierung, welche eine Reflexion über das eigene Sehen und Denken im Zusammenhang mit der Malerei und dem Tafelbild ermöglicht.