Über Malerei im Zeitalter des Digitalen

Malerei ist immer unmittelbar an den Zeitpunkt ihrer Entstehung gebunden. In diesem Augenblick werden eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen, deren Ausgang zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar sind.

Sie orientiert sich hier nicht mehr ausschließlich an einem Vorentwurf oder einer Skizze sondern sie entsteht jetzt auch unmittelbar auf der Leinwand, auf welcher sich damit der Arbeitsprozess des Malens und Denkens,  die jeweiligen Veränderungen, Richtungswechsel, Schichtungen, sichtbar einschreiben, auch als Spuren oder als Übermalung hin zum sichtbaren Bild erkennbar  bleiben.   

Im Gegensatz zur Wissenschaft hat man es hier in der Malerei mit einem absolut offenen bzz. selbst auferlegten, minimalen  Regelsystem zu tun: Grundlage jeder Erkenntnis ist ein kontrolliertes Denken und Vorgehen. Diese Form des Denkens und die daraus entwickelte Theorie bleibt jedoch immer fehlerhaft, da ihre Gültigkeit an das Moment ihres Entstehens gebunden bleibt. Jeder neue Tag bietet Gelegenheit zu neuem Irrtum.

Malerei ist die Umsetzung eines Gedankens in eine unmittelbare Figuration. Existente Forschungsfragen können sich in überraschender Weise als überholt erweisen, der Zufall greift ein. Eine neue Erkenntnis und damit eine neue Entscheidung bahnt sich an. Neugierde und Faszination am Tun finden ihren Weg und sind zugleich Antriebsfeder weiter zu forschen. 

Was sich im Denken noch als völlig klares Bild mit logischen und klaren Abfolge in der Ausführung   oder als Vorannahme manifestiert, kann sich in der Ausführung als widerspenstige Materie, möglicherweise als unausführbare Aktion erweisen. Aus diesen Gegensätzen ergeben sich immer wieder neue Problemen und Fragestellungen. Wobei das intuitive Vorgehen und Denken dem Rationalen überlegen ist: Assoziatives Denken und intuitives Erfassen bleiben immer unmittelbar an die Gegenwart gebunden. 

Die Leinwand bietet einen Bezugsrahmen, eine Begrenzung des Experimentierfeldes, mit allen der Malerei innewohnenden Möglichkeiten der Erkenntniss aber natürlich auch des Scheiterns.  

 

Malerei im Zeitalter digitalen Strategien und digitaler Bilder

In der Malerei führt das Denken, das inuitve Vorgehen in einem längeren Schaffensprozess zum Ergebnis, zum fertigen Werk oder Bild.

Eine Frage welcher sich auch die Malerei stellt, lautet: Welche Konsequenzen resultieren für den Einzelnen aus den Möglichkeiten des Digitalen insbesondere der digitalen Bildpraxis? Wie wirken sich diese modernen Apparaturen inklusive einprogrammierter Algorytghmen auf unsere Denken und auf unsere Wahrnehmung und auf unsere feinmotorischen Möglichkeiten aus? Welche Art des Denkens und Tuns wird daraus hervorgehen? 

Das digitale Bild ist nicht Schichtung, es ist wenig komplex, es besteht ausschließlich Oberfläche, es gibt keine Tiefe, wenn man einmal von den Programmierungen absieht, es fehlt im das Körperliche und damit sinnlich (Er)fassbare.

Dem sei ein klassischen Tafelbild, hier noch spezifischer -ein Werk angefertigt in der Technik der Ölmalerei gegenüber gestellt. Wenn man davon ausgeht dass Wirklichkeit und Sprache in engem Zusammenhang stehen, stellt sich die Frage, wie sich diesen neuen Apparaturen und Techniken auf Denken, Sprache und Tun auswirken. 

Welche Rolle werden Begriffe wie Licht, Tiefenlicht, Dichte, Glätte, Schatten, Textur, glänzend, reflektierend, aus der Tiefe heraus leuchtend, etc. noch spielen, wie sie uns etwa in der Ölmalerei bekannt sind.  Wenn diese Begriff nicht mehr bekannt oder gebräuchlich sind, können nicht digital erstellte Werke auch auch Naturimpressionen nicht mehr beschrieben oder benannt werden.